Die meistbesuchte Sehenswuerdigkeit in Litauen ist die malerisch gelegene Wasserburg von Trakai, unweit von Vilnius. Trakai war die mittelalterliche Hauptstadt Litauens und im 14. und 15. Jahrhundert Residenz der litauischen Grossfuersten, noch bevor Vilnius zur Hauptstadt wurde. Die Grossfuersten Kestutis und sein Sohn Vytautas begannen Ende des 14. Jahrhunderts mit dem Bau zweier Burgen in Trakai - inmitten eines Seenlabyrinths. 1414 hat der flaemische Ritter Ghillbert de Lanois (Lanua) in seinen Reisebeschreibungen die Burg folgenderweise charakterisiert: die Burg stehe in der Mitte vom See, einen Kanonenschuss von der alten Burg. Sie sei ein Mauerwerk, gebaut der französischen Tradition nach. Die Burg stand in 220 m Entfernung vom Ufer. Die Inselburg im Galve-See war die Hauptresidenz der Grossfuersten vom Ende des 14. bis Ende des 15. Jahrhunderts. In jener Zeit wurden hier hohe Gaeste empfangen, die gewoehnlich in der nahe gelegenen zweiten Burg, der sog. Halbinselburg (heute Ruine) untergebracht wurden. Ein Dutzend Mal war z.B. der Vetter des Grossfuersten Vytautas, der polnische Koenig Jogaila (poln. Jagiello) hier zu Gast. Vytautas selbst starb 1430 in Trakai, noch bevor es ihm gelungen war, sich zum Koenig von Litauen kroenen zu lassen. Der Bergfried hat einen quadratischen Grundriss und ist zum Hauptakzent der Burg geworden: im ersten Stockwerk befindet sich die Einfahrt in den Hof, eng und hoch. Man konnte nur über eine bewegliche Bruecke und ein eisernes Gitter in den Hof gelangen. Im zweiten Stockwerk hatte die Wache ihre Raeume. Im fuenften Stockwerk wurde die Kapelle fuer die koenigliche Familie errichtet. Im sechsten Stockwerk sind die Schiessscharten zu sehen. Zum letzten Mal wurde die Burg von den Kreuzrittern 1403 angegriffen. Nach der Schlacht bei Tannenberg war den Angriffen ein Ende gemacht. Vytautas war gemeinsam mit seinem Vetter Jogaila der Sieger der Schlacht von Tannenberg (Grunwald) 1410 gegen den Deutschen Orden. Dieser Sieg nahm den militaerischen Druck auch von Trakai. Bald danach hatte die Wasserburg Trakai ihren Verteidigungscharakter verloren und wurde bereits im 16. Jahrhundert als Gefaengnis für Edelleute genutzt. 1655 wurde sie ebenso wie die Halbinselburg beim Angriff der Russen zerstoert und nicht wieder aufgebaut.  Erst im 20. Jahrhundert machte man sich - nicht zuletzt aus Nationalstolz - daran, die einst wichtigste Burg der litauischen Grossfuersten wieder aufzubauen. |