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Stadtbefestigung Visby (Visbys stadsmur)


Visby

 

Gotlands län

Gotland

 

Schweden

  GPS: +57° 38' 31.25", +18° 18' 0.12"

Beschreibung:


Die Stadtmauer von Visby auf Gotland ist die besterhaltene in ganz Skandinavien und gehoert zusammen mit der Altstadt seit 1995 zum Weltkulturerbe. Der gewinnbringende Ostseehandel (Hanse) fuehrte bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts dazu, dass sich immer mehr deutsche Kaufleute in Visby niederliessen. Viele neue Haeuser wurden im Zentrum errichtet und bereits 1190 gab es eine deutsche Kirche. Der erste schon zu Beginn des 13. Jahrhunderts fertiggestellte und somit aelteste Mauerbereich ist die Seemauer mit einer urspruenglichen Laenge von 1.400 m und Hoehe von 5,50 m, die moegliche Angriffe von der Seeseite aus abwehren sollte.

 

Zwischenzeitlich war die deutsche Stadtbevoelkerung genauso gross wie die gotlaendische geworden und man fing von deutscher Seite aus an, den Handel der Gotlaender Bauern zu unterbinden, die laestige Konkurrenz also auszuschalten. Aus der daraus entstandenen Konfliktsituation verbunden mit einem erhoehten Schutzbeduerfnis begann man daher um 1260 mit dem Bau einer ersten landseitigen Stadtmauer aus Kalkstein; diese hatte eine Laenge von ca. 2.000 m bei einer Hoehe von 5,50 - 6,00 m. In dieser "Alten Mauer" gab es nur einfache Mauertore ohne jede Ueberbauung.

 

Erfolgreich bewaehren konnte sich diese Stadtmauer 1288, als die Gegensaetze zwischen Stadt und verarmender Landbevoelkerung zum Buergerkrieg eskalierten und die gotlaendischen Bauern die Stadt Visby vergeblich einzunehmen versuchten. Die Ausbesserungen der Schaeden aus diesen Kriegszeiten sind noch heute sichtbar. Bei den darauffolgenden Friedensverhandlungen musste die Stadt allerdings eine saftige Geldbuße hinnehmen, weil die Mauer ohne die Erlaubnis des Koenigs (Magnus Ladilås) errichtet worden war.

 

Im suedlichen und suedoestlichen Bereich der Stadtmauer gibt es einige Tuerme (Graugans, Grosser Henrik), die zeitgleich mit der Alten Mauer erbaut wurden. Ansonsten zeigte die Land- und Seemauer eine einheitliche, durch keinen Turm unterbrochene Front. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts wurden die groesseren Stadttore durch Tuerme verstaerkt. In einer weiteren Bauphase wurden die Mauerbereiche zwischen den Toren durch Feldtuerme nochmals verstaerkt und die Mauer um 2,50 - 4,00 m erhoeht. Um die Wehrfaehigkeit weiterhin zu verbessern, wurden spaeter noch Sattel- oder Haengetuerme in den Bereichen zwischen den Feldtuermen aufgesetzt. Im letzten Ausbau war die Stadtmauer 3.440 m lang und besass 29 Feldtuerme, von denen noch 27 erhalten sind. Von den ehemals 22 Sattel- oder Haengetuermen gibt es noch 9; von diesen werden einige jetzt durch Stahltraeger gestuetzt. Sehenswert sind die mit einem Torturm ueberbauten grossen Stadttore Söderport, Österport, Dalmansporten, Norderport, S:t Göransporten und Snäckgärdsporten.

 

In der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Mauer durch mehrere halbrunde Vorbauten, sog. Kaponnieren verstaerkt. Als zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine russische Invasion Gotlands drohte, wurde 1712 auf Befehl des schwedischen Koenigs die Bastion Schanze oder Meerjungfrau errichtet, die mit Platz für acht Kanonen eine starke Verteidigungsstellung fuer einen Teil der Suedmauer und die alte Hafeneinfahrt bot. Im suedwestlichen Teil der Stadt lag seit dem fruehen 15. Jahrhundert bis 1679 die Burg Visborg, seinerzeit eine der staerksten Befestigungsanlagen in Nordeuropa. Die Aussenmauern der Burg bildeten gleichzeitig die westliche Ecke der Stadtbefestigung mit einer Fluegelmauer zur Seeseite. Die Burg wurde 1679 beim Abzug der Daenen von diesen gesprengt.

 

Besondere Aufmerksamkeit verdienen zwei Bereiche in der Landmauer. Einer davon ist die ca. 40 m lange "Waldemarsmauer". Am 27.07.1361 fand vor den Mauern der Stadt die Schlacht von Visby zwischen dem 3000 Mann starken Invasionsheer des daenischen Koenigs Valdemar Atterdag und einer Streitmacht von 1800 Gotlaendern statt, die vernichtend geschlagen und niedergemacht wurden. Die Stadtbevoelkerung hatte von den Mauern aus das Gemetzel beobachtet ohne einzugreifen und kapitulierte danach, um nicht das Schicksal der Gotlaender zu erleiden. Valdemar soll die Stadt gezwungen haben, einen Teil der Mauer einzureissen, um in Schlachtordnung mit dreizehn Reitern Breite in die Stadt einziehen zu koennen. Im Nachhinein mussten die Buerger die Mauer wiedererrichten mit dreizehn Zinnen als Abschluss. Spuren eines Wiederaufbaus an dieser Mauerstelle sind noch heute zu erkennen, die Waldemarsmauergeschichte in diesem Zusammenhang wird allerdings als Legende eingestuft. 

 

Oestlich vom Schneckenfeldturm liegt ein ca. 40 m langer Mauerbereich, der bis zu den Arkadenboegen eingestuerzt ist. Dieser Mauerteil wird als "Luebecker Bresche" bezeichnet. Bei der Eroberung Visbys durch Truppen der Stadt Luebeck im Jahr 1525 sollen diese durch die geschlagene Bresche in die Stadt gelangt sein und den Nordteil der Altstadt weitgehend zerstoert haben. Einige Historiker widersprechen dem und vermuten einen eingestuerzten Sattelturm als Grund fuer die Zerstoerung dieses Mauerbereichs. Andere verweisen auf Funde im Gartengelaende innerhalb der Mauer, darunter etwa 50 Armbrustbolzen, was wiederum auf Kampfhandlungen im Mittelalter an dieser Stelle hindeuten wuerde.

 

Die Stadtbefestigung sowie die ueberaus sehenswerte Altstadt mit Kirchen, Lagerhaeusern und Museen lohnen einen mehrtaegigen Aufenthalt in der Hansestadt Visby.

 

Zeittafel:


1161
Handelsprivileg durch Heinrich den Loewen
1203
Erste Erwaehnung des Stadtnamens Visby
Anf. 13. Jh.
Bau der Seemauer
um 1260
Baubeginn der Landmauer
1288
Belagerungen im Gotlaendischen Buergerkrieg
27.07.1361
Schlacht bei Visby (Valdemar Atterdag)
04.8.1361
Besetzung durch daenische Truppen
1394-98
Stuetzpunkt der Vitalienbrueder
1398
Vertreibung der Vitalienbrueder durch den Deutschen Orden
1411
Bau der Burg Visborg durch Erich von Pommern
1525
Einnahme durch Luebecker Truppen
1645
Gotland faellt an Schweden
1676-79
Daenische Besetzung
1810
Erster Denkmalschutz fuer Visbys Altstadt
1995
Weltkulturerbe
  

Abbildungen in der Galerie:


Album
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Literaturauswahl und Links:


Falck, Waldemar:
Visbys stadsmur, Visby 1995
Zimmerling, Dieter:
Der Deutsche Ritterorden, Duesseldorf 1995
Zimmerling, Dieter:Die Hanse - Handelsmacht im Zeichen der Kogge, Duesseldorf 1979
Lindner, Theodor:Die deutsche Hanse, Leipzig 1901 (Reprint)
Westholm, Gun:
Visby 1361 - invasionen, Stockholm 2007
Lihammer, Anna:
Arkeologiska upptäckter i Sverige, Lund 2010
Törnquist, Leif:
Svenska borgar och fästningar, Stockholm 2007
  
  

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